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Die Bergbahnindustrie im Wandel - im Wandel zum Besseren?

Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St. Gallen

Fünf Jahre nach dem ersten Bericht zur Lage und zu den Perspektiven der Schweizer Bergbahnwirtschaft legen Prof. Dr. Thomas Bieger und Prof. Dr. Christian Laesser vom Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St. Gallen (IDT-HSG) in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Seilbahnverband erste Kernresultate ihrer zweiten Branchenanalyse vor. Der Anteil der überlebensfähigen Unternehmen hat sich in den letzten vier Jahren auf heute rund 66% erhöht. Es besteht jedoch ein beträchtlicher Strukturwandlungsbedarf in Richtung grösserer Unternehmen. Ebenfalls besteht ein latenter Investitionsnachholbedarf, der durch die Nutzung innovativer Finanzierungsinstrumente befriedigt werden muss.

Die seitens Raiffeisen, BDO Visura und Garaventa finanzierte Studie basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse, einer Analyse der Daten von SBS und BfS zur Finanzlage der Schweizerischen Seilbahnindustrie sowie einer Spezialanalyse des Reisemarktes Schweiz, einer regelmässigen Untersuchung des IDT-HSG über das Kundenverhalten bei Reisen. Diese Analysen haben folgende Resultate ergeben:

  • 36% der Schweizer, die in die Schweiz einen Ferienaufenthalt verbringen, benutzen während ihres Aufenthaltes mindestens einmal eine Bergbahn. In den Monaten Dezember bis März übt die Schweizer Bevölkerung bei 92 % der Tagesausflüge und bei 82% der Ferienreisen in der Schweiz Pistensport aus. 25% der Schweizer Bevölkerung unternimmt mindestens einmal jährlich eine Reise mit dem Zweck, Pistensport zu betreiben. 10% machen darüber hinaus mindestens noch einen Tagesausflug mit dem selben Zweck. Die Bergbahnen sind damit ein dominantes Angebotselement im Schweizer Tourismus.
  • Total "konsumiert" die Schweizer Bevölkerung rund 24,1 Mio. Pistentage - oder drei Pistentage pro Einwohner. Am meisten Pistentage fallen mit 7,1 Mio. auf das Wallis und mit 5,7 Mio. auf Graubünden. Auf Platz drei ist das Berner Oberland mit 4,5 Mio. Pistentagen gefolgt von der Zentralschweiz mit 2,3 Mio. Die Waadtländer Alpen liegen mit 1,2 Mio. zusammen mit Österreich auf Platz 5. Die regionale Verteilung des ertragsstarken Winter - Skitage fallen damit auf einige wenige Regionen.
  • Die Seilbahnbranche ist auch 2003 immer noch sehr kleinstrukturiert, obwohl vor allem im Bereich der mittleren Bergbahnen zahlreiche prominente Fusionen stattgefunden haben. 30% der Unternehmen weisen einen Umsatz von weniger als 1 Mio. CHF auf und sind damit selbständig nicht in der Lage, alle unternehmerischen Funktionen zu erfüllen.
  • Die wichtigsten finanziellen Kennzahlen für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit einer Bergbahn sind der Cashflow gemessen am Umsatz (min. 20%) und der Cashflow gemessen am Gesamtkapital (min. 5%). 66% der Bergbahnen erfüllen die erste Anforderung, 82,5% die zweite. Mindestens 66% der Bergbahnen können damit als mittelfristig überlebensfähig bezeichnet werden. Diese Werte haben sich dank den Fusionen und Restrukturierungsmassnahmen in der Branche, aber auch dank den relativ guten Wintern ausgehend von 47,5% resp. 65,3% markant verbessert. Die Branche konnte sich damit insgesamt wirtschaftlich stärken.
  • Den höchsten Anteil wirtschaftlich starker Bergbahnen weist das Berner Oberland auf, den kleinsten das Tessin gefolgt vom Jura und den Westschweizer Alpen. Offensichtlich besteht ein strukturelles Problem vor allem noch in den Voralpenregionen der "lateinischen" Schweiz.
  • Aufgrund vor allem der Ertragskraft gemessen am Umsatz (EBITDA/Umsatz) als Indikator für die Qualität der Betriebsführung und der Ertragskraft gemessen am investierten Kapital (EBITDA/investiertes Kapital) als Indikator für die Qualität der strategischen Investitions- und Finanzierungstätigkeit lassen sich 5 Gruppen von Bergbahnen unterscheiden. Zu der Top Gruppe, die alle Anforderungen erfüllen, gehören 8% der Unternehmen. Zur Gruppe der Bahnen mit Potential, die eine schwache Eigenfinanzierung aber gute Ertragszahlen aufweisen, gehören rund 40% der Unternehmen. 23% der Unternehmen erfüllen zwar alle Kennzahlen, dürften jedoch einen Investitonsstau aufweisen. Der Rest der Unternehmen, die weiteren 28%, ist als kritisch oder problematisch zu beurteilen. Die Bergbahnunternehmen sind damit im Dilemma zwischen einem Investitionsstau und ungenügender Ertragskraft: Wenn sie viel investieren, können sie die Ertragskraft zwar im Allgemeinen stärken, haben aber Finanzierungsprobleme. Dies zeigt auch die Bedeutung der Sicherstellung einer ausreichenden Investitionstätigkeit und der entsprechenden Finanzierungen.
  • Verbesserungen der Ertragskraft ergeben sich durch einen Wandel in Richtung grösserer Unternehmen durch Fusionen und Übernahmen. Dabei sind folgende Schritte Erfolg versprechend: Zuerst Fusion mit regionalen Unternehmen zur Sicherstellung eines geschlossenen Produktes und Marktgebietes wobei insbesondere betriebliche Synergien und eine Ausschaltung des lokalen Wettbewerbs erzielt werden kann. Zweitens sollten dann innerhalb dieser geschlossenen Regionen durch vertikale Integration wie die Integration von Skivermietung, Skischulen etc. die Wertschöpfungsketten geschlossen werden. Drittens erst wären dann im Sinne von Destinationsholdings andere Skigebiete zu integrieren wobei vor allem finanzielle Synergien und eine Risikodiversifikation innerhalb der Branche erzielt werden kann.
  • Als wesentliche Erfolgsfaktoren der Branche kristallisieren sich heraus: eine minimale Grösse von ca. 1 - 1,2 Mio. CHF Umsatz, eine optimale Betriebskonfiguration mit einem sinnvollen Verhältnis Nachfrage - Kapazitäten (20% der Investitionen müssen heute als Überkapazitäten betrachtet werden), ein Ertragswachstum auch durch Nebenerträge (diese Massnahme hat v.a. bei mittleren Bahnen den vergleichsweise grössten Effekt), eine effiziente Betriebsführung mit minimalem Personalaufwand. Grössere Unternehmen haben eher indirekt durch ihr Potential in Bezug auf Verbesserung des Managements und damit Erschliessung von Nebenerträgen und Optimierung des Personalaufwandes durch bessere Betriebsführung und Rationalisierungsinvestitionen Vorteile.
  • Aufgrund der Kumulation von Risiken wie Wetterrisiken, Standortrisiken, Risiken aufgrund des langen Investitionshorizontes mit Wiederinvestitionszyklen von 20 Jahren und mehr sowie der Abhängigkeit von regionalen Partnern ist die Finanzierung von Bergbahninvestitionen wie früher über Bankkredite immer schwieriger. Neue Finanzierungsinstrumente könnten insbesondere die vermehrte Nutzung von Leasing, Nullcouponanleihen mit Platzierung beispielsweise bei Stammgästen, Ausgliederung der Infrastrukturinvestitionen wie Beschneiung und Pisten in kommunale Unternehmen oder eine neue Branchen - Finanzierungsgesellschaft ähnlich der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit sein.


Insgesamt kann damit festgestellt werden, dass sich die Ertragssituation der Schweizer Bergbahnen verbessert hat, dass tendenziell aber ein beträchtlicher Investitionsnachholbedarf und ein Strukturwandlungsbedarf in Richtung grösserer Unternehmen besteht.



Die vollständige Studie "Erfolgsfaktoren, Geschäfts- und Finanzierungsmodelle
für eine Bergbahnindustrie im Wandel" wird ab ca. Ende November verfügbar sein.

Auskünfte:
Prof. Dr. Thomas Bieger, Tel (071)224-2525 und (079)681-5549
Prof. Dr. Christian Laesser, Tel (071)224-2525 und (079)636-0023
Dr. Peter Vollmer, Seilbahnen Schweiz, Tel. (031)359-2335 und (079)318 02 35

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Seilbahnen Schweiz SBS Dählhölzliweg 12 CH-3000 Bern 6 Tel 031 359 23 33 info@seilbahnen.org
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