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Viele Seilbahnunternehmen unterstützen regionale Skiclubs. Bei der Pizolbahnen AG ist die enge Zusammenarbeit mit den Vereinen historisch gewachsen und heute ein fester Bestandteil der Strategie des Unternehmens. Im Interview spricht Jürg Schustereit, Bereichsleiter Marketing & Vertrieb, über die Rolle der Skiclubs am Pizol.
Ein Berg für die Region
Das Einzugsgebiet des Pizol hat sich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren stark verändert. Das Ski und Wandergebiet beginnt bereits auf rund 500 Metern über Meer. Gemeinden wie Mels, Sargans oder Bad Ragaz sind in dieser Zeit deutlich gewachsen. Gleichzeitig profitiert der Pizol von der Nähe zu den Agglomerationen Zürich und St. Gallen, was zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen hat.
Die Pizolbahnen sehen den Pizol als Sport und Freizeitberg mit klarer gesellschaftlicher Funktion für die Region. «An einem Samstag mit Rennen stehen nicht nur die Kinder am Start, sondern auch Grossmutter, Götti, Tante und Eltern am Pistenrand», sagt Schustereit. Die ganze Familie kommt auf den Berg.
Als Jürg Schustereit seine Tätigkeit aufnahm, fiel ihm auf, wie ausgeprägt die Zusammenarbeit mit den Skiclubs ist. «Das Ausmass der Einbindung hat mich überrascht», sagt er.
Kinder und Jugendliche auf den Schnee bringen
Zehn regionale Skiclubs mit insgesamt rund 2’300 Mitgliedern sind regelmässig am Pizol aktiv. Rund 650 davon sind Kinder und Jugendliche in den JO Gruppen, der Jugendorganisation von Jugend+Sport. Gemessen an einer Tageskapazität des Skigebiets von rund 6’000 Personen ist das eine beachtliche Zahl.
Die JO-Angebote ermöglichen einen niederschwelligen Einstieg in den Schneesport und sind eine attraktive sportlichere Alternative zur Skischule. Gerade im Winter, wenn andere Freizeitangebote begrenzt sind, leisten diese Strukturen einen wichtigen Beitrag zur Förderung lokaler Sport- und Bildungsstrukturen.
«Als Vater von vier Kindern ist es mir wichtig, dass Kinder und Jugendliche sinnvolle Freizeitangebote haben», sagt Schustereit. «Wer sich früh in einem Verein engagiert, bringt sich oft auch später als Erwachsene:r ein. Das trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.»
Die Skiclub-Förderung hat auch eine klare wirtschaftliche Bedeutung für die Pizolbahnen. Einheimische Gäste generieren rund 20 % des Gesamtumsatzes und bilden damit die wirtschaftliche Basis des Betriebs. «Das Kind oder der Jugendliche spielt für die Kundenbindung eine Schlüsselrolle», erklärt Schustereit. «Verbringt ein Kind seine Freizeit regelmässig am Berg, entscheidet sich die Familie oft auch für ein Abo.»
Verlässliche Rahmenbedingungen für die Vereinsarbeit
Die Skiclubs am Pizol sind freiwillig organisiert. Leitende, Trainer:innen und zahlreiche Helfende engagieren sich in ihrer Freizeit. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich. Die Pizolbahnen sehen es als ihre Aufgabe, die Vereine zu unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen für Trainings und Rennen zu schaffen.
Auf beiden Seiten des Skigebiets stehen ausgeschiedene Trainingspisten zur Verfügung. Diese werden präpariert, gesichert und bei Bedarf abgesperrt. So sind Trainings und Wettkämpfe auch parallel zum Publikumsbetrieb möglich. Ergänzend unterstützen die Pizolbahnen die Vereine organisatorisch und logistisch. Vergünstigte Tickets und Abonnemente für JO Leitende entlasten die Vereinsarbeit zusätzlich.
Die Zusammenarbeit mit den Skiclubs bringt für die Pizolbahnen einen hohen Koordinationsaufwand mit sich. Trainings‑ und Rennbetrieb, Sicherheitsanforderungen sowie betriebliche Abläufe werden laufend abgestimmt.
Umgekehrt engagieren sich die Skiclubs zweimal jährlich an gemeinsamen Räumungstagen im Sommer. Dabei werden Pisten und angrenzende Flächen gepflegt. Der gemeinsame Einsatz fördert den Austausch und sensibilisiert die Skiclubmitglieder für den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Landschaft.
Zielkonflikte akzeptieren und Lösungen finden
Besonders an Wochenenden treffen Trainings‑ und Rennbetrieb sowie starke Publikumstage aufeinander. Pro Tagesgast lässt sich im Skibetrieb ein höherer Deckungsbeitrag erzielen, und nicht alle Gäste freuen sich über die Anwesenheit Skiclubs.
Die Pizolbahnen nehmen diese Zielkonflikte bewusst in Kauf. Damit wird die regionale Verankerung höher gewichtet als eine kurzfristige Optimierung des Tagesertrags. Für den Betrieb ist klar, dass die regionalen Vereine einen festen Platz haben sollen.
Diese Haltung wird auch ausserhalb der Region wahrgenommen. Auch auswärtige Skiclubs nutzen den Pizol als Trainings‑ und Wettkampfstandort. Sie schätzen die verlässlichen Bedingungen, die klare Organisation und den offenen Umgang. Aufgrund der hohen Nachfrage besteht an Samstagen ein erhöhter Koordinationsbedarf, damit sowohl regionale als auch auswärtige Skiklubs ihren Pistenslot sowie die Möglichkeit allfälliger gemeinsamer Verpflegungszeiten optimal nutzen können.
Die Zukunft des Schneesports am Pizol sichern
Auch am Pizol sind die Folgen des Klimawandels spürbar. Mit dem Beschneiungsprojekt 4.0 haben sich die Pizolbahnen bewusst entschieden, in die Zukunft des Schneesports zu investieren. Da der Pizol seit Jahrzehnten als Trainings‑ und Rennstandort dient, wurde das Projekt von Beginn an ganzheitlich geplant und verbindet touristische Anforderungen mit den Bedürfnissen von Vereins‑ und Leistungssport.
In Zusammenarbeit mit regionalen Skiclubs, Verbänden und Swiss Ski flossen Erfahrungen aus dem Trainings‑ und Rennbetrieb direkt in die Projektierung ein. Durch den gezielten Ausbau und die Verdichtung der bestehenden Infrastruktur erfüllt der Standort die Kriterien des Bundes für eine Sportanlage von nationaler Bedeutung gemäss dem Nationalen Sportanlagenkonzept (NASAK). Diese Einstufung durch das Bundesamt für Sport berücksichtigt neben der sportlichen Nutzung auch Anforderungen der Raumplanung sowie den sorgfältigen Umgang mit Landschaft und Umwelt. Bestehende Anlagen werden dabei weiterentwickelt und effizient genutzt, statt neue Flächen zu erschliessen.
Die Aufnahme in das NASAK-Katalog ermöglichte es, im Rahmen des Beschneiungsprojekts 4.0 Fördermittel über die IG Sport St. Gallen und den Bund zu erschliessen. Im Gegenzug steht die Infrastruktur zu definierten Zeiten dem Sport zur Verfügung. Dies ist in einer Vereinbarung mit Swiss Ski sowie mit den Regionalverbänden SSW und OSSV geregelt.
«Ziel ist es, Skiclubs und regionalen Kadern bereits ab Mitte November verlässliche Trainingsmöglichkeiten zu bieten», erklärt Schustereit. Trainings können wohnortsnah durchgeführt werden, lange Anfahrtswege in andere Trainingsgebiete entfallen. Das spart Zeit, reduziert Kosten und spart Ressourcen.
Praktisch alle Skiclubs der Region beteiligten sich am Projekt durch die Zeichnung von Aktien. Die Beträge sind im Verhältnis zur Gesamtinvestition gering, für die Vereine jedoch bedeutend. Sie haben eine klare symbolische Wirkung und zeigen die Bereitschaft, Verantwortung für die gemeinsame Zukunft des Schneesports in der Region zu übernehmen.
Weiteres Engagement für Umwelt und Klima
Neben der Förderung der Skiclubs engagieren sich die Pizolbahnen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Ressourcen. Ein zentrales Element ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung myclimate im Rahmen der Initiative «Cause We Care». Ergänzt wird dieses Engagement durch Energieeffizienzmassnahmen im Betrieb.
Die Zusammenarbeit mit den regionalen Skiclubs zeigt, wie lokale Verankerung über monetäre Beiträge hinaus wirksam umgesetzt wird. Die Pizolbahnen schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für freiwillig organisierte Vereinsarbeit, fördern Kinder und Jugendliche in der Region und stellen Infrastruktur mit öffentlichem Nutzen zur Verfügung. Die regionale Bevölkerung wird dabei als zentrale Anspruchsgruppe verstanden.
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